Beschreibung

Allgemeines

Das vorliegende Werk ist ein Kumulatives Nachtragswörterbuch, in dem vorwiegend die seit den Petersburger Wörterbüchern von O. Böhtlingk (speziell dem „pw“, 1879-89) und dem darauf aufbauenden Werk von R. Schmidt (1928) neu erzielten Ergebnisse¹ lexikographischer Arbeiten zum Sanskrit in der Form „kleiner Zitate“ gezielt aufgenommen und in einheitlicher Form recherchierbar vorgelegt werden. Grundlage der Auswertung sind publizierte Glossare und Spezialwörterbücher, die den Qualitätskriterien des pw genügen; die Auswertung erfolgt streng nach Befund.
In den Vorlagen fehlende Angaben werden nicht ergänzt². Die Originalsprachen und Stellenbelege der Glossare werden in ihrer jeweiligen Form übernommen; eine Anpassung an neuere Editionen oder Textgliederungen erfolgt nicht.
Das NWS versteht sich ausdrücklich nicht als Thesaurus von Belegstellen; soweit angeführt, wurde für jeden Eintrag eine relevante Stellenangabe übernommen, dabei aber keine Vollständigkeit angestrebt. Lemmata, die in pw und Schmidt fehlen, wurden in jedem Fall aufgenommen; solche, die dort bereits eingetragen sind, nur wenn sich damit zusätzliche Informationen verbinden.
Nur in begründeten Verdachtsfällen wurden Stellenbelege anhand der Texte überprüft. Eindeutige Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert, Abweichungen bei der Lemmaansetzung entsprechend angezeigt³.
Das aufgenommene Vokabular umfasst neben ausdrücklich als „Korrigenda“ oder „Nachträge“ bezeichneten Arbeiten vor allem Glossare zum Vedischen, zum Jaina-Sanskrit, zu Kunst und Architektur bzw. Politik und Gesellschaft sowie Begriffe aus der Linguistik.

Lemmaansatz

Komposita, spezielle Schreibungen und signifikante Femininstämme von Substantiven werden zur besseren Recherchierbarkeit als eigenständige Einträge behandelt. Cvī-Bildungen sind in Kombination mit den jeweiligen Hilfsverben aufgenommen (z.B. praguṇīkṛ).
Die Lemmatisierung orientiert sich weitestgehend an der Ansetzung des pw. Nomina werden in der Stammform aufgeführt (bei Adjektiven ggf. mit Anzeige der gesonderten Feminin-Bildung); bei Mehrstämmigkeit folgt das NWS den Regeln des pw (śreyaṃs; bhaviṣyant; gomant; ātman; rājan; acikitvaṃs; pratyañc). Wurzeln und abgeleitete Verbalstämme (markiert mit „√“) werden in der Tiefstufe (z.B. √kṛ) bzw. in der Art einer √ der 1. Präsensklasse, wie √guṇay oder √śatrav, angegeben. Das Partizip Präteritum Passiv (z.B. gata) ist dem untergeordnet; andere Partizipien und spezielle Formen (z.B. Absolutiva) bilden eigene Lemmata.

Darstellung der Artikel

Struktur eines NWS Eintrags

Die Angaben zu den einzelnen Lemmata umfassen – je nach Verfügbarkeit in der Vorlage – folgende Punkte, die je nach Abfrageart an unterschiedlichen Stellen des Ausgabeartikels zu stehen kommen können, typographisch allerdings immer einheitlich dargestellt werden:
• <Textgattung, Sachkategorie> ○ Wortart ◊ Genus. [konkrete Form oder Bemerkungen zum Lemma]. Bedeutung. [inhaltliche Erläuterung]. grammatische Verwendung. Stellenbeleg. Literaturverweis. Synonym. zusätzliche Angaben. <Glossar: Seite>
Wenn zu einem Lemma in einem Glossar mehrere Bedeutungsangaben vorliegen, werden diese durch Ziffern (1, 2…) markiert; mehrere inhaltliche Erläuterungen durch Kleinbuchstaben (a, b…) in eckigen Klammern; mehrere grammatische Verwendungen durch klein geschriebene römische Ziffern (i, ii…).
Ein Klick auf die Synonyme bzw. auf andere im Volltext vorkommende Sanskrit-Begriffe öffnet ein neues Fenster, in dem die entsprechenden Bedeutungsansätze zu diesem Wort angezeigt werden, selbsterklärend gegliedert nach ihrer Herkunft. Die Siglen für die Stellenbelege und Literaturverweise lassen sich ebenfalls durch Anwählen entschlüsseln.
Die innere Struktur der Aufnahmen – und damit der Ausgaben – folgt soweit wie möglich den Vorgaben des ausgewerteten Glossars (z.B. in der Trennung und Zählung der Bedeutungsansätze oder Erläuterungen).

Weiterführende Informationen

Für die genauere Beurteilung von Suchergebnissen sind die folgenden Informationen über die Anlage des NWS und des Wörterbuchportals von Nutzen. Zunächst ist festzuhalten, daß der Gegenstand des von der DFG geförderten NWS-Projekts nur die Verzeichnung von »Nachträgen« war, also aller Wortbedeutungen, welche sich nicht bereits im kleinen Petersburger Wörterbuch (pw) und den Nachträgen von Schmidt finden. Um den Nutzwert zu erhöhen, wurde im Wörterbuchportal, also der Weboberfläche, eine einheitliche Abfrage für das NWS sowie pw und Schmidt implementiert. Das Kumulative Nachtragswörterbuch ist in der linken Spalte der Web-Darstellung zu finden, das Petersburger Wörterbuch (pw) in der mittleren und die Nachträge von Schmidt in der rechten Spalte. Die Daten von pw/Schmidt wurden uns von Thomas Malten, Universität Köln, der dem NWS-Projekt in der Anfangsphase wertvolle Ratschläge gab, zur Verfügung gestellt. Trotz der neuen Darstellungsform sind diese nicht grundlegend verändert worden, es besteht jedoch die Absicht, diese im Rahmen des vorliegenden Portals weiterzuentwickeln.

Bei der Benutzung des Wörterbuchportals ist es hilfreich, sich einige Fakten über die zugrundeliegenden Daten klarzumachen. Die Nachträge, welche im linken Fenster erscheinen, wurden im Verlaufe von drei Jahren in einem an den Universitäten Halle und Marburg durchgeführten DFG-Projekt eingegeben und nach verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Sie können nach diesen Kriterien, wie etwa Textgattung, durchsucht werden. Dies gilt nicht für das pw in der mittleren Spalte und die Schmidtschen Nachträge in der rechten Spalte der web-Darstellung: die Daten sind, da sie aus einer anderen Quelle stammen, nicht im Stile des NWS nach Kategorien erschlossen.

Folgende Punkte sind daher zu beachten:

  • Das NWS kann die ausgewerteten Glossare nicht ersetzen. Sein primärer Zweck ist die schnelle und umfassende Orientierungshilfe über das seit pw/Schmidt neu generierte, lexikographische Wissen. Die Auszüge werden im NWS in verknappter Form des „Kleinen Zitats“ wiedergegeben. Für die Volleinträge müßten weiterhin die Originalquellen konsultiert werden. Über ihre Anzahl und bibliographische Details informiert die Leiste „Erfaßte Werke“.
  • Die Feinerschließung nach Siglen und andere Kategorien bezieht sich nur auf das NWS (linke Spalte).
  • Die Vorschläge, die erscheinen, sobald man die Eingabe beginnt, dienen nur als Eingabehilfe und dürfen nicht als Gesamtliste der Lemmata (vor allem nicht des pw) verstanden werden. Die Vorschläge stellen keine statische Liste dar, sondern ändern sich dynamisch: Will man z.B. vyavahāra suchen, so sieht man nach Eingabe der ersten sechs Buchstaben den richtigen Vorschlag, gibt man weiter ein, dann erzeugt das System weitere Lemmata, also Komposita wie vyavahārapāda etc. Diese werden aber technisch bedingt nur aus den Nachträgen (linke Spalte) erzeugt. Am deutlichsten sieht man dies, wenn man die Suche startet: sie erzielt weitaus mehr, auch unerwartete Treffer, wie z. B. lokavyavahāra, aber wiederum nur aus dem detailiert getaggten Material (also den Nachträgen). Um das Lemma lokavyavahāra im pw zu finden, muß man lokavyavyahāra direkt eingeben.
  • Das NWS gibt immer nur Ergänzungen zu pw/Schmidt an: war eine Bedeutung im pw bereits vorhanden, erfolgte kein Eintrag. Der Benutzer sollte sich daher bewußt sein, daß nicht der gesamte Wortschatz etwa des Grassmannschen oder Edgertonschen Wörterbuches verzeichnet ist, sondern nur neue Bedeutungen.
  • In manchen Teilbereichen bleibt die Integration von NWS und pw problematisch. Insbesondere die Böhtlingksche Ansetzung der Verbalwurzeln und ihre Einteilung nach Nummern, an der wir uns orientieren mußten, erzeugte immer wieder Schwierigkeiten. Bei uneinheitlichen Wortansetzungen sollte man daher bei der Suche auch auf Platzhalter oder die unscharfe Suche zurückgreifen.
  • Da im pw die Feminina unter den Maskulina eingeordnet sind, bewirkt eine Suche nach vallarī zwar ein Ergebnis im NWS, die entsprechenden Einträge im pw fehlen aber. Das Problem ist einfach zu umgehen, indem man nach vallar? bzw. vallar* sucht.
  • Die Zukunft: Nach Auslaufen der DFG-Finanzierung hat sich die Arbeitsgruppe Informatik in den Geisteswissenschaften der Universität Halle großzügig bereiterklärt, das NWS weiterhin zu beherbergen. Die beteiligten indologischen Institutionen werden sich um die Weiterentwicklung bemühen und Korrekturen an den Daten, die Nutzer über nws@uzi.uni-halle.de mitteilen können, einpflegen.